Problemstellung

Naturwissenschaftliches Denken unterscheidet sich oft vom alltäglichem Denken vor allem, wenn im Alltag nicht an die Wirklichkeit gedacht wird, sondern jemand geht nur mal was „im Kopf herum“. Solche Alltagsmenschen bezeichnen Präzision dann schon gerne mal als Haarspalterei. Die Frage der Präzision, der Genauigkeit, entscheidet aber oft über Leben und Tod, über Gesundheit oder Krankheit, über Funktionieren oder Nicht-Funktionieren, über gutartig oder bösartig.

Vor allem entscheidet erst Präzision oft darüber, was richtig oder falsch verstanden wurde. Die Antworten auf die folgenden „Obst“ - Fragen, lassen Menschen erkennen als naturwissenschaftlich präzise oder alltäglich unpräzise Denker. Das sind die "Obst" - Fragen:

Die "Obst" - Frage

„Obst ist gesund.“

Der pragmatische Denker wird im Alltag sagen: Das weiß doch jeder. Der Naturwissenschaftler wird sagen: Das ist eine Null-Aussage, denn Obst gibt es nicht. Obst ist ein menschlicher Begriff, ein Oberbegriff und keine essbare Pflanze oder dergleichen. Kurz: 

„Obst kann man nicht essen.“

Essen kann man Äpfel: Ob Äpfel - Essen gesund ist, hängt von vielem ab: Der Menge, sind sie gewaschen, gespitzt, reif, unreif, faul, kontaminiert. Das grenzt an „Haarspalterei“, dürft der Alltagsmensch sagen.

Mathematik und Wirklichkeit

Von grundsätzlichem Wert ist auch die Frage nach der Mathematik.

Ist es präzise zu sagen, zwei Äpfel sind schon Obst oder wäre Obst erst ein Apfel und eine Birne? Klar ist, "zwei Obst“ gibt es nicht. Obst ist ein Wort ohne Mehrzahl und Einzahl, kein Ding, sondern ein von Menschen gemachter Kunstbegriff.

Mathematik mit Zahlen wie 1 + 1 = 2 ist bezogen auf Ganzzahlen präzise und richtige. Das gilbt auch für anderen „Mathematiken“ wie zum Beispiel die Mathematik mit mathematischen oder logischen Mengen  In der Sprache der Mengenlehre lautet die Aussage 1 + 1 = 2 wie folgt: „Die Menge aller Äpfel und die Menge aller Birnen sind echte Teilmengen der Menge Obst. Somit sind ein Element der Menge Äpfel und ein Element der Menge Birnen 2 Elemente der Menge Obst.“

Wirkliche Gleichheit

Wirklichkeit

In Wirklichkeit sind 1 Apfel und 1 Birne eben weder 2 Äpfel noch 2 Birnen. Die Mathematik ist eine Geisteswissenschaft, die auf die Wirklichkeit in der Regel nicht zutrifft. Präzise sein verlangt, etwas provozierend formuliert, erst einmal grundsätzlich die „Chemie“ des Gegenstandes zu verstehen, den man zählen möchte.  Erst dann wird man erst wirklich sicher sein, ob beide Gegenstände wirklich gleich sind und man tatsächlich zwei gleiche Gegenstände hat oder doch zwei verschiedene.

„Chemie“ meint hier das „Stoffliche“, ein konkretes Teil der Wirklichkeit, etwas Materielles, ein Diamant oder ein Bleistift, gemeint ist der schwarze Grafit der Bleistiftmine. Bei Diamant und Grafit denkt der chemische gebildete Laie sofort an das chemische Element Kohlenstoff. Er weiß, beide Gegenstände bestehen aus Kohlenstoff. Kohlenstoff ist das zentrale Element des organischen Lebens auf diesem Planten. Wie im Fall "Obst" mit Äpfel und Birnen macht es auch Diamant und Bleistiftmine keinen Sinn von zwei Teilen Kohlenstoff zu sprechen.

Wirkliche Gleichheit 

Man kann nur Gleiches mit Gleichem zählen. Addiert man Gleiches mit Ungleichem ist die Rechnung falsch. Ohne von der Existenz Atome Kenntnis zu haben, ist es nicht möglich präzise entscheiden zu können, ob ein Gegenstand wirklich identisch ist mit einem zweiten Gegenstand.

Auf der atomaren Ebene ist kein Mensch, kein Apfel, keine Eintagsfliege gleich. Das ist aber nicht alles. Jedes Lebewesen und viele Stücke der Wirklichkeit sind ständiger Änderung unterworfen. Ihr atomarer Aufbau ist ständiger mehr oder weniger intensiver Veränderung unterworfen. Das macht das Verstehen der Wirklichkeit ohne genau Kenntnis der Chemie unmöglich. 

Fazit - Chemie, Präzision und Wirklichkeit

Wer irgendetwas ohne chemische Differenzierung behandelt und sei es nur ein mathematisches Zählen von Teilen der Wirklichkeit, macht etwas falsch. Präzision ohne Chemie ist wertlos. Das ist kein Seitenhieb auf die Physik. Diamant und Grafit sind chemisch, aber nicht physikalisch-chemisch identisch. Ihr Unterschied ist optisch, also physikalisch, jedermann ersichtlich. 

Ein Chemiker („Partei der Chemiker“) alleine ist noch kein Naturwissenschaftler, sondern eher eine Berufsbezeichnung. Das gilt auch für Physiker („Partei der Physiker“), Biologen und so weiter. Ein naturwissenschaftlicher Mensch muss immer alle Aspekte der Wirklichkeit ohne Trennung in Chemie, Physik oder Biologie erfassen können mit Widerholgenauigkeit, Präzision und Richtigkeit.

PS:Stand: 7. März 2017

(Neu gefasst dank einem Mail von einem „Studenten der Strukturwissenschaft“.

Sein Mail endet mit diesem Satz: „Dennoch möchte ich diese Mail nicht nur als Gelegenheit zur Kritik nutzen, sondern mich bedanken, dass sich im Jahre 2017 wenigstens ein Politer wissenschaftlichen Methoden und rationalem Denken zugewandt hat.“)